Wärmebrücken & Dampfdiffusionsbrücken Programm AnTherm Version 6.115 - 8.133.1 

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Zur Grenzfeuchtigkeit

Ein praktisches Maß für den Wasserdampfgehalt feuchter Luft bestimmter Temperatur ist die relative Feuchtigkeit. Sie kann direkt und ziemlich genau mit einfachen Instrumenten – z. B. mit einem Haarhygrometer – gemessen werden. Bestreicht feuchte Luft eine gegenüber der Lufttemperatur kühlere Oberfläche, so kommt es dann zur Wasserdampfkondensation an dieser Oberfläche, wenn deren Temperatur unterhalb des Taupunkts der Luft liegt. Der Taupunkt ist jene Temperatur, bei welcher die feuchte Luft mit gegebenem Wasserdampfgehalt unter sonst gleichen Bedingungen gesättigt wäre, also eine relative Feuchtigkeit von 100% aufwiese.

Der Taupunkt ist ebenfalls ein Maß für den Feuchtigkeitsgehalt der Luft. Er ist allerdings nicht leicht zu messen (z. B. mit einem Taupunkt-Hygrometer) und hat sich daher in der Praxis nicht eingebürgert. De facto ist der Taupunkt das ideale Maß zur Beurteilung des Kondensationsrisikos an Bauteiloberflächen. Liegt der Taupunkt unter der Oberflächentemperatur, ist keine Kondensation zu erwarten. Um Kondensatbildung verlässlich ausschließen zu können, muss die Temperatur an sämtlichen Stellen der inneren Oberfläche somit über dem Taupunkt liegen.

In der Praxis hat man jedoch selten eine Vorstellung über den Taupunkt, eher hingegen über die Temperatur und die relative Feuchtigkeit der Raumluft. Aus diesem Grund wird zur Bewertung von Oberflächentemperaturen in Hinblick auf die Gefahr der Kondensatbildung die Grenzfeuchtigkeit eingeführt.

Die Grenzfeuchtigkeit ist jener Wert der relativen Feuchtigkeit der Raumluft, bei dessen Überschreitung Kondensatbildung an einer Oberfläche bestimmter Temperatur auftritt. Sie errechnet sich als Quotient aus dem zur Oberflächentemperatur gehörigen Sättigungsdampfdruck und dem der Raumlufttemperatur entsprechenden Sättigungsdampfdruck.

Die Einführung der Grenzfeuchtigkeit erlaubt unmittelbar die normgemäße Bewertung der Ergebnisse der Berechnung des Temperaturfelds einer Baukonstruktion. In der ÖNorm B8110-2:2003 ist das Norm-Innenraumklima für Wohnräume wie folgt definiert: 20 °C Lufttemperatur und 65% relativer Luftfeuchtigkeit bei einer Außenlufttemperatur von 0 °C. Für negative Werte der Außenlufttemperatur ist die maximal zulässige Luftfeuchtigkeit im Innenraum jeweils um 1 % pro Grad Temperaturerniedrigung der Außenluft zu reduzieren. Nur wenn die für den Punkt tiefster Oberflächentemperatur ermittelte Grenzfeuchtigkeit unter den Wert der normativ zugelassenen relativen Luftfeuchtigkeit zu liegen kommt, muss mit Kondensatbildung gerechnet werden.

Beispiel: Wird der Berechnung die Norm-Außentemperatur von -12 °C zugrunde gelegt, dann darf im Rauminneren die relative Luftfeuchtigkeit (bei einer Lufttemperatur von 20 °C) den Wert von 65 – 12 = 53% nicht überstiegen. Liegt die Grenzfeuchtigkeit am Punkt tiefster Oberflächentemperatur über 53%, so ist nach ÖNorm B8110-2:2003 kein Kondensationsrisiko gegeben. Ist dies nicht der Fall, so ist die untersuchte Baukonstruktion nicht normgemäß. Die Oberflächenbereiche mit Kondensationsrisiko können in diesem Fall mittels Auszeichnen der Isolinie für eine Grenzfeuchtigkeit von 53% leicht sichtbar gemacht werden.
  Isolinie der Oberflächengrenzfeuchte bei 53% (Risiko der Kondensation)

Siehe auch: Grenzfeuchte Kalkulator (Werkzeug), Ergebnisse Bericht, Aktive Auswerte-Funktion


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2017-10-19 12:04 +0100